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Anke Schmid bei Jugend-Europameisterschaft

Stattegg/Graz: Erstmals veranstaltete der europäische Radsportverband (UEC) auch für Sportler der Klassen Jugend (U17, 15- und 16-jährig) und Schüler (U15, 13- und 14-jährig) offizielle Europameisterschaften für den Mountainbike-Cross-Country-Sport. In der Fachwelt umstritten, entpuppten sich die Wettkämpfe aber zu einem tollen Leistungsvergleich der Sportler.

Mit dem ausrichtenden Mountainbikeverein aus Stattegg hatte die UEC einen kompetenten Partner, die viertägige Veranstaltung war bestens organisiert, es mangelte an nichts und weder für Betreuer noch Teilnehmer wurden Zeitverzögerungen oder Pannen erkennbar. Und so ging die EM, bei der sowohl National-, Regional-, Vereins- aber auch andere Mannschaften teilnehmen konnten, ohne Zwischenfälle bei strahlendem Wetter über die Bühne. Auch aus unserer Region konnten zwei Cross-Country-Spezialisten mitmischen. Für Anke Schmid (RSC Hengen) war früh in der Saison klar, dass ihr Teamchef des Bike Junior Team powered by Milka alles daran setzen wird, für die U17-Klasse eine Mannschaft, bestehend aus zwei männlichen Startern und einer weiblichen Fahrerin zu melden. Seit Juni in einem Leistungstief sollte die EM dennoch absoluter Saisonhöhepunkt für sie werden.
Tim Streckenbach vom TSV Dettingen empfahl sich über seine seit Monaten bestehende Spitzenform mit zahlreichen Top-Ten-Platzierungen dem baden-württembergischen Landestrainer für eine zweite Mannschaft der ARGE MTB Baden-Württemberg. Insgesamt 88 Teams aus zahlreichen europäischen Nationen, bis auf wenige Ausnahmen nur Nationalmannschaften, und damit also die besten der jeweiligen Länder, stellten in der U17-Klasse die Konkurrenten.
Auch wenn keine Mannschaft aus der Schweiz anreiste, die über Fahrerinnen und Fahrer auf absoluter europäischer Spitzenebene verfügt, und auch französische Teams fehlten, war die EM dennoch auf höchstem sportlichem Niveau. Dafür sorgten vor allem die Teams aus Österreich, Deutschland, Dänemark, Belgien und Estland. Und auch die beiden baden-württembergischen Teams und das Bike Junior Team versteckten sich keinesfalls sondern mischten bis zum letzten Wettkampftag immer ganz weit vorne mit.

Die Wettkämpfe begannen mit einem Zeitfahren je eines Fahrers pro Team. Im Bike Junior Team übernahm der Deutsche Meister Georg Egger (VCC Mindelheim) diese wichtige Aufgabe, sollte die Platzierung doch über den Startplatz bei der anschließenden Teamstaffel entscheiden. Doch vom Sturz nicht verschont gelang ihm Platz 18. Für das ARGE-2-Team erreichte Tim Streckenbach Platz 20. Damit waren die Erwartungen der Betreuer zunächst gedämpft. Doch die Mannschaften machten die Rückstände im Staffelwettbewerb wieder wett. Das Bike Junior Team (Anke, Georg Egger und Gastfahrer Philipp Bertsch aus Kelheim, da Daniel Voitl als Deutscher Vizemeister für den Bund Deutscher Radfahrer startete) erreichte nach ganz starkem Rennen Platz sechs, das ARGE-2-Team mit Tim Streckenbach, Jessica Benz (SC Hausach) und Nico Fechtmann (Kraichgau-Biker-Waibstadt) rangierte auf 16.

Der zweite Tag begann mit einer Technikprüfung: Jeder Fahrer hatte acht Sektionen mit je drei zunehmenden Schwierigkeitsstufen zu fahren. Nur wer bereits die jeweils leichtere Schwierigkeit meisterte, konnte auch den/die nächsten Punkt/e erreichen. So gab es insgesamt 24 Punkte zu erzielen. Jeder fehlende Punkt bedeutete beim ersten Cross-Country-Rennen am Nachmittag einen Startrückstand von 20 Sekunden ohne Begrenzung. Würde also kein Punkt erzielt, wäre der Start bis zu acht Minuten auf einen fehlerfreien Fahrer verzögert. Also nichts für schwache Nerven.
Vor allem Tim zeigte sich dem enormen Druck gewachsen und fuhr fast fehlerfrei durch die Sektionen (23 Punkte). Er hatte damit ein Handicap von nur 20 Sekunden. Anke erzielte 17 Punkte und musste einen größeren Startrückstand von zwei Minuten in Kauf nehmen (kein Mädchen erreichte volle Punktzahl). Das Cross-Country-Rennen bei brütender Hitze mit zahlreichen Defekten und auch einigen Stürzen wirbelte die Fahrerfelder wieder durcheinander. So gelang Tim der abschließende 18. und Anke der 21. Platz.

Der dritte Tag stand im Zeichen des Cross-Country-XL-Wettbewerbs. Anders als bei einem gewöhnlichen Cross-Country-Rennen, bei welchem die Rennstrecken kürzer sind, aber häufiger durchfahren werden müssen, war hier die Strecke sehr viel länger, gespickt mit einem äußerst kräftezehrendem Anstieg und einer langen, Material und Fahrer sehr belastenden Abfahrt. Die heißen Temperaturen brachten zudem zahlreiche Fahrer an und teilweise über die Grenze ihrer Möglichkeiten. Darum hieß es, trotz Fahrt am Limit, sich die Kräfte gut einzuteilen. Tim Streckenbach konnte dem entfesselnd fahrenden Georg Egger (1.) zwar nicht folgen, dennoch gelang es ihm, sich mit Platz 30 gut in Europas Elite zu behaupten. Auch Anke Schmid war den Anforderungen gut gewachsen und fuhr lange Zeit um Rang 15. Doch die Konkurrenz war hier dicht beisammen und die Anstrengungen forderten bei Anke gegen Ende Tribut. So reichte es im Ziel zu Platz 18.

Mit schweren Beinen stand am Freitag dann das abschließende Cross-Country-Rennen an. Nicht in jeder Altersgruppe war die Entscheidung um die Europameistertitel schon eindeutig und so wurde nochmals in allen Rennen bis zur Erschöpfung gekämpft. Jeder Platz konnte nochmals über Verschiebungen im Gesamtstand entscheiden. Und nicht wenige Fahrer waren von den seitherigen Strapazen gezeichnet, mussten auf einen letzten Start verzichten oder das Rennen abbrechen. Doch Anke und Tim hatten noch genügend Körner übrig, um ihre Positionen zu verteidigen. Zwar bestand für Anke die Chance, sich im Gesamtklassement noch um bis zu vier Plätze zu verbessern, die direkten Konkurrentinnen hatten aber auch klug taktiert und sicherten sich nochmals wichtige Punkte. Mit einem 20. Platz im Rennen und einem 17. Rang in der Gesamtwertung konnte Anke damit diese Europameisterschaft beenden. Tim gelang der 21. Platz, was auch den 21. Rang in der Endabrechnung bedeutete. Und das sind tolle Ergebnisse, konnten sich bei den U17-Mädchen immerhin 42 Fahrerinnen und bei den Jungs 88 Starter platzieren.

Für das ARGE-2-Team Baden-Württemberg von Tim Streckenbach stand der neunte Gesamtrang zu Buche, das Bike Junior Team powered by Milka von Anke Schmid wurde mit dem vierten Platz geehrt.

Doch noch wichtiger als die sportlichen Erfolge waren sicher für beide die Erlebnisse, die sie in dieser EM-Woche in Graz hatten. Beide haben gezeigt, dass sie vier Tage hintereinander harte Wettkämpfe mit tollen Leistungen bestreiten können, beide waren in tollen Teams mit guter Betreuung eingebunden und konnten sich somit voll auf die Rennen konzentrieren. Das Wissen außerdem, europaweit in seinem Sport ganz weit vorne dabei sein zu können und auch das Kennenlernen neuer Freunde aus ganz Europa motivieren für das Weitermachen im MTB-Sport. Dazu beigetragen hat auch der Veranstalter, der sich für die kommenden Jahre - so wurde gemunkelt - wohl auch schon die Rechte zur Austragung sichern konnte. Mit so einer tollen Veranstaltung aber auch kein Wunder, war sie doch echte Werbung für den MTB-Sport im Jugendbereich.

Alle Ergebnisse, viele Bilder und Videos auch unter www.bike09.at.
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Hier geht es zu den Fotos von der Veranstaltung.

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